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American Beauty
 
Filmfacts:
 
Originaltitel: American Beauty
Regie: Sam Mendes
Drehbuch: Alan Ball
Kamera: Conrad L. Hall
Musik: Thomas Newman
Besetzung:
 
 

 

Lester Burnham: Kevin Spacey 
Carolyn Burnham: Annette Bening 
Jane Burnham: Thora Birch 
Ricky Fitts: Wes Bentley 
Angela Hayes: Mena Suvari   usw.
Länge: 120 min.
Produktion: USA, 1999
 
Story:
Die Kamera schwenkt über eine schachbrettartig angelegte, amerikanische Vorortsiedlung. Die Aufnahmen aus der Höhe kommentiert eine gefasst wirkende Stimme mit den folgenden Worten: "Mein Name ist Lester Burnham. Das ist meine Nachbarschaft. Das ist meine Strasse. Das ist mein Leben. Ich bin 42 Jahre alt. In weniger als einem Jahr werde ich tot sein," fährt die Stimme beinahe emotionslos fort. "Natürlich weiss ich das jetzt noch nicht. Aber irgendwie bin ich jetzt schon tot." Im Grunde sollte Lester Burnham (Kevin Spacey) die ganze Welt vor Freude umarmen. Denn er lebt zusammen mit seiner Frau Carolyn (Annette Bening) und der gemeinsamen Tochter Jane (Thora Birch) in einem schmucken Haus, hat einen gut bezahlten Job und fährt sein eigenes Auto. All dies lässt Lester jedoch nicht in Freudengeschrei ausbrechen. Er fühlt sich unzufrieden und leblos. Die morgendliche Masturbation unter der Dusche ist für ihn bereits der Höhepunkt des ganzen Tages. Der Familienvater hat den American Dream längst ausgeträumt. Es bleibt ihm nur eine radikale Lebensveränderung, um aus seiner Totenstarre zu erwachen und den Alltagstrott abzustreifen. Er raucht mit dem Freund seiner Tochter und Nachbarsjungen Ricky (Wes Bentley) gelegentlich einen Joint, kauft sich einen schnellen Schlitten, von dem er schon als junger Bursche geträumt hat, hängt seinen Job an den Haken und erpresst seinen Chef nebenbei noch um einen kleinen Extralohn. Zudem versucht er sein Sexleben mit seiner Gattin wieder in Schwung zu bringen und stemmt fleissig Gewichte, um seine geheimsten, sexuellen Fantasien mit der töchterlichen Freundin Angela (Mena Suvari) Realität werden zu lassen. Lesters Umfeld reagiert zuerst mit Erstaunen, dann mit Unverständnis und Ablehnung auf seinen neuen Lebensstil. Die Reaktionen fallen derart heftig aus, dass der zu Beginn geschilderte Tod von Lester Konturen annimmt und sich als eiskalter Mord herausstellt.
 
Fazit:
Von Zeit zu Zeit purzelt ein Film vom Kinohimmel, welcher bereits im Vorfeld grosse Erwartungen weckt und als Meisterwerk hochgejubelt wird. Ist der Film dann einmal auf der Leinwand angelaufen, stellt sich die vermeintliche Gabe Gottes nur als irdisches Handwerk heraus, das die Erwartungen nicht erfüllen kann. "American Beauty" hat ebenfalls Unmengen an Vorschusslorbeeren geerntet. Im Unterschied zu den meisten anderen Produktionen wird der Film aber seinem Ruf locker gerecht. Ja, er vermag die kühnsten Erwartungen sogar noch zu übertreffen.
Dass "American Beauty" so deutlich aus der breiten Masse herausragt, hängt von ganz unterschiedlichen Faktoren ab. Erwähnenswert ist das hervorragende Drehbuch von Alan Ball. Er liefert nicht nur eine Komödie, welche einen amüsanten und kritischen Blick auf die amerikanische Gesellschaft wirft. Der Film ist zusätzlich wie eine Tragödie angelegt. Spannung wird erzeugt, indem die Hauptfigur Lester bereits mit den ersten Worten das Publikum wissen lässt, dass er in einem Jahr tot sein wird. Wie es zu dem Mord kommt und wer hinter der üblen Tat steckt, wird natürlich noch nicht verraten. Während dem Film werden dann verschiedene Fährten gelegt, sodass jeder Zuschauer selber zum Hobby-Detektiv mutiert. Neben dem Drehbuch bestechen die einzelnen Schauspieler mit ihren dargebotenen Leistungen - allen voran Kevin Spacey. Spacey hat sich in der Vergangenheit hauptsächlich als Darsteller von dunklen Typen hervorgetan. Mit dem Oscar als bester Nebendarsteller wurde er in "The Usual Suspects" für sein herausragendes Schaffen geehrt. Mit "American Beauty" tritt er nun den Beweis dafür an, dass er nicht nur das "Böse", sondern auch andere Charaktere mit Leichtigkeit spielen kann. Im Verlauf des Films wandelt er sich auf eindrückliche Weise vom unscheinbaren Versager zum rebellischen Lebenskünstler. Unterstützt wird Spacey durch Annette Bening. Sie gibt die Geschäftsfrau und Familienmutter wieder, welche sich weder von ihrem Mann noch von ihrer Tochter verstanden fühlt. Neben Spacey und Bening sorgen zudem die Nachwuchstalente Thora Birch, Mena Suvari und Wes Bentley für schauspielerisches Entzücken. Sie hauchen ihren vielseitigen Charakteren Leben ein und machen das auf den ersten Blick teilweise sonderbar anmutenden Handeln erst richtig verständlich. Beachtenswert ist zusätzlich die Arbeit des Regiedebütanten Sam Mendes. Im Gegensatz zur Theaterbühne, wo er als erfolgreicher Regisseur arbeitete, ist er im Kinogeschäft noch ein gänzlich unbeschriebenes Blatt. In seinem ersten Werk führt er nun Regie wie ein alter, erfahrener Hase. Hilfreich dürfte gewesen sein, dass Mendes als Brite von aussen die amerikanische Gesellschaft begutachten konnte. Das ermöglichte eine objektive Betrachtung, was eine unabdingbare Voraussetzung für das Gelingen des ganzen Unternehmens war. Das Resultat ist ein genialer, mit wunderbaren Bildern gespickter Film geworden, den man so schnell nicht vergisst und sowohl jung, als auch alt anspricht. 
Wie der Titel bereits verrät, befasst sich "American Beauty" mit der Wahrnehmung von Schönheit. Viele Menschen setzten Schönheit mit Äusserlichkeiten gleich  - zum Beispiel gutes Aussehen, ein PS-starker Schlitten oder ein gutbezahlter Job. Vom Äusseren wird oftmals aufs Innere geschlossen, während sich hinter der schönen Fassade ein unglückliches Wesen verbirgt. Vielmehr sind es auf den ersten Blick bedeutungslose, unscheinbare Dinge, welche unsere Existenz lebenswert werden lassen und die Schönheit ausmachen. Eindrücklich wird dies in einem Video aufgezeigt, das sich Lesters Tochter gemeinsam mit ihrem Freund ansieht. Dort tanzt ein weisser Plastiksack umgeben von braunen Laubblättern mit dem Wind. Diese unspektakulären Bilder strahlen dennoch unglaublich viel Schönheit aus. Nicht nur in der eben beschriebenen Szene entsteht der Eindruck, dass es wirklich einen Kinogott gibt. Sollte dieser tatsächlich existieren, so ist es ihm gelungen einige der besten, irdischen Kräfte zu vereinigen und daraus ein faszinierendes, unvergessliches Meisterwerk entstehen zu lassen.
 
Bewertung:
 
(von maximal 5 Steinen der Weisheit)
 
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